Die "Rita" ist verkauft und segelt ab sofort auf dem Obersee vor Langenargen. Den neuen Eignern wünsche ich Mast
und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Die Geschichte der "Rita" bleibt aber noch
ein paar Tage auf Lattner's Homepage. |

|
(Bilder bitte anklicken!)
Die "Rita" ist eine alte 6mR-Yacht. Gebaut wurde die "Rita" 1893, Baupläne oder Angaben über die Werft sind leider nicht bekannt. Das Schiff lag viele Jahre am Zürichsee und so gehe ich davon aus, dass es auch dort gebaut wurde.
An den Bodensse kam das knapp 10.0 m lange und 1.80 m breite Schiff ca. 1963, der damalige Eigner hat es in nicht sehr gutem Zustand für den Bleiwert in der Schweiz gekauft.
Da die "Rita" wahrscheinlich nie als 6mR vermessen wurde und zudem in den zwanziger Jahren einen für 6mR-Yachten unzulässigen Peitschenmast erhielt, wurde sie nicht als 6mR-Yacht registriert.
Durch die 1986 durchgeführte Vermessung und das daraus erfolgte Gaffelrigg wurde aber der Orginal- zustand wieder hergestellt und die "Rita" als 6mR-Yacht vermessen.
Beim Deutschen Seglerverband ist sie unter der Nummer G6 registriert. |

|
 |

|
Ich glaube es war 1979, da sahen meine Frau Christa und ich, die "Rita" zum ersten Mal. Es war so eine Art Liebe auf den ersten Blick. Sie lag im Hafen der Kressbronner Segler, versteckt unter einer Persenning. Im Gespräch mit den anwesenden Seglern wurde mir gesagt, dass sich der Besitzer aus Zeitgründen von der "Rita" trennen möchte. Nach einer Besichtigung war für mich eigentlich klar, die "Rita" wird unser neues Schiff.
Einige Monate später hatten wir auch unser bisheriges Schiff verkauft und die "Rita" wurde in ihren neuen Heimathafen Konstanz Staad überführt. Es folgten einige Jahre, in denen wir die "Rita" kreuz und quer über den Bodensee segelten, ohne jemals Probleme mit dem Schiff zu haben. Aber eines wurde immer schlimmer, die "Rita" machte Wasser, beim Segeln von unten, und beim Regen von oben. Die Lenzpumpe war fast immer im Betrieb, trockene Kleidung war bald ein Fremdwort.
Die Renovation rückte immer näher. Als ich dann eines Tages auch noch durchgefaulte Decksbalken fand, war klar, es gibt viel zu tun. |

|
 |

|
Nach gründlicher Untersuchung des kompletten Schiffes, bzw. dem was noch davon in Ordnung war, blieb aufgrund der Plankenstärke von weniger als 14mm nur eine Alternative, der Rumpf muss mit drei Lagen 3 mm Mahagoni-Furnier überzogen werden. Als Kleber habe ich mich für Epoxid-Harz aus dem "West-System" entschieden. Durch die diagonale Verklebung war sichergestellt, die "Rita" wird eine trockene Bilge haben und der Rumpf wird steifer.
Da somit gleichzeitig der Tiefgang des Schiffes auf einfache Art erhöht werden kann, habe ich in das Projekt, mein ganzer Stolz - ein Schiff aus Holz, eingewilligt.
Heute nach über 2200 Arbeitsstunden weiss ich, die Arbeit hat sich gelohnt. |

|
 |

|
|
Zwischen der fertigen ersten Furnierschicht und dem Aufbringen der zweiten Lage waren 2 Jahre Arbeitspause, da ich in der Zwischenzeit meinen Betrieb verkauft, den Beruf gewechselt und zum Schluss auch noch eine neue "Werft" für die Rita gebaut habe. |

|
 |

|
Die letzte Lage Furnier wird aufgebracht. Die hellen Streifen auf dem Bild sind Rolladengurte. Beim Befestigen der einzelnen Furnierstreifen wird durch den Gurt hindurch geklammert. Nach dem Aushärten des Epoxid-Harzes, werden die Klammern mit den Gurten abgezogen. Es verbleiben nur kleine Nagellöcher, die wiederum mit angedicktem Harz aufgefüllt werden.
Nachdem die letzte Lage verputzt und beigeschliffen war, wurde die "Rita" wieder in ihre ursprüngliche Lage gedreht und zur weiteren Arbeit in die Grube abgesenkt. |

|
 |

|
Zuerst wurden 6 mm starke Mahagoni-Leisten auf das 12 mm starke Bootsbausperrholz geklebt. Die Kajütwände und der Süllrand, sowie die vordere Lukeneinfassung sind noch nicht montiert. Somit lässt sich das Teakdeck leichter aufbringen. Leider konnte ich mich gegenüber meiner Familie nicht durchsetzen die "Rita" als offenen Sechser zu bauen. Meine beiden Söhne, sowie meine Frau waren gegen ein offenes Schiff, nur der Hund und ich waren dafür. Aber auch zu zweit waren wir demokratisch überstimmt.
Das Teakdeck ist ebenfalls mit Epoxid-Harz auf- geklebt. Die Fugen sind mit PU-Sikaflex ausgegossen. |

|
 |

|
Am Anfang der Bauphase habe ich noch geglaubt ich könnte den alten Bleiballast wiederverwenden. Dies hat sich als falsch herausgestellt. Zum einen war der Ballast durch die drei Furnierschichten ca. 18 mm zu schmal, zum anderen und das war bedeutender, war durch die Vergrösserung des Tiefgangs der Bleiballast zu lang. Es blieb mir also nichts übrig als einen neuen Bleiballast zu gießen.
Hierzu habe ich eine Gußform aus Beton gebaut. Die in den Hölzer steckenden M24 Gewindestangen sind die Kielbolzen.
Das flüssige Blei entwickelt eine große Hitze. Die Kanthölzer an der Betonform fingen an zu brennen. |

|
 |

|
Der fertige Bleiballast wurde mit Epoxid-Harz beschichtet, um eine gute Verbindung mit der Unterwasserfarbe zu erreichen
Von den Kielbolzen wurde eine Schablone abgenommen um die Löcher im Holzkiel zu bohren |

|
 |

|
Das Schiff wird von oben auf den Bleiballast abgesenkt. Die Löcher für die Kielbolzen sind 2 cm grösser gebohrt und werden mit Epoxid-Harz ausgegossen. Somit ist die Kraftableitung in der gesamten Gewindelänge gewährleistet, die innen aufgeschraubte Mutter hat eigenlich nur noch Sicherungszweck.
Der Ballast ist zudem noch mit dem Schiff verklebt. |

|
 |

|
Das Ruderblatt wurde aus mehreren Schichten Sperrholz geformt und mit einer Welle fest verbolzt. Die Hohlstellen im Ruderblatt haben sich als ungeeignet erwiesen. Bei leichter Krängung des Schiffes entwickelt das zur Wasseroberfläche aufschwimmende Ruderblatt solche Kräfte, dass an ein Loslassen der Pinne nicht zu denken ist. Ausserdem ist die Fläche des Ruderblattes und die darauf wirkenden Kräfte zu groß.
Das Kajütdach ist aus zwei Lagen 6 mm Sperrholz hergestellt, da alle Fallen auf das Dach nach hinten umgelenkt werden. Ebenso ist der Süllrand aus zwei Lagen Mahagoni ausgeführt, um auftretende Kräfte besser ableiten zu können. |

|
 |

|
Der Mast wurde abgesägt und weiterverwendet, da er durch die Gaffeltakelung einiges kürzer wurde. Alle Beschläge und Fallen mussten erneuert werde. Lediglich die Wanten konnten gekürzt und wieder- verwendet werden.
Viele Kleinigkeiten stehen noch zur Erledigung an, da der Termin zur Einwasserung näherrückt. Das Schiff wird aus der Grube gehoben um transportriert zu werden. |

|
 |

|
Am Anfang des Jahres 1997 habe ich beschlossen, dass die "Rita" im August wieder auf dem Bodensee segelt. In der zweiten Augustwoche war es dann endlich soweit, nach fünf Jahren ohne Wasser unter dem Kiel, erfolgen die letzten Kontrollen unter dem Kran.
Die "Rita" liegt in Konstanz im Segelhafen Staad, bereit für die erste Ausfahrt., welche gleichzeitig der Start in unseren 14 tägigen Sommerurlaub auf dem See sein soll. |

|
 |

|
|
Im Hafen von Arbon in der Schweiz, mit und ohne Segel |

|
 |

|
|
Die "Rita" unter Segeln im Westteil des Bodensees, dem Überlinger See. |

|
 |

|
|
Die "Rita", Christa und ich, ein seltenes Bild von uns dreien, da ich ganz ohne Holzbearbeitungsmaschinen, Schleifpapier oder Pinsel sichtbar bin. |
 |